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Die Rente, die ohne Verantwortung auskommt
Medienkritik
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Die Rente, die ohne Verantwortung auskommt

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SRF berichtet über eine Studie des VZ Vermögenszentrums zum Vertrauen in die Altersvorsorge und rahmt den Vertrauensverlust bei der AHV als psychologisches Problem. Die AHV sei politisch umstritten, die Pensionskassen profitierten von hohen Zinsen. Was nicht vorkommt: die Demografie als Ursache des AHV-Drucks. Was nicht vorkommt: die Frage, ob eine 13. Rente ohne Finanzierung politische Verantwortungslosigkeit ist. Was nicht vorkommt: der kommerzielle Interessenkonflikt der Studienautoren. Was nicht vorkommt: die Politiker, die vor der Abstimmung beteuerten, die Finanzierung sei kein Problem, und nach der Abstimmung keine Lösung lieferten. Der Beitrag ist eine Finanzmarkt-PR, die als Sozialpolitik-Analyse deklariert wird.

Zum SRF-Beitrag «Vertrauen der Bevölkerung in die AHV nimmt ab», SRF 4 News, 06.08.2026


Das Framing steht im Untertitel: «Vertrauen der Bevölkerung in die AHV nimmt ab.» Das ist die Diagnose. Die Ursache lautet: politische Diskussionen um die 13. Rente. Die Folge: Die Pensionskassen holen auf. SRF konstruiert einen Wettbewerb zwischen Staat und Markt, in dem der Markt wegen kluger Kommunikation und hoher Zinsen gewinnt. Die Frage, ob die Systeme überhaupt vergleichbar sind, wird nicht gestellt. Die Frage, ob der Vertrauensverlust rational ist, weil die AHV faktisch vor dem Kollaps steht, wird nicht gestellt.

Die Demografie, die nicht vorkommt

SRF erklärt die AHV: «Die Finanzierung läuft über ein Umlagesystem. Dabei bezahlen vor allem die jeweiligen Erwerbstätigen und deren Arbeitgeber die Renten der jeweiligen Rentnerinnen und Rentner.» Das ist korrekt — aber es ist die halbe Wahrheit. SRF erklärt das System und verschweigt den Faktor, der es sprengt: die Demografie. Das Umlagesystem funktioniert, wenn viele Erwerbstätige wenige Rentner finanzieren. 1970 kamen auf einen Rentner vier Erwerbstätige. Heute kommen zwei. 2030 werden es weniger als zwei sein. Die Babyboomer gehen in Rente, die Geburtenraten sinken.

SRF erwähnt die 13. Rente als Belastung, aber sie erwähnt nicht den demografischen Kollaps. Die Frage, wie ein schrumpfendes Fundament eine wachsende Last tragen soll, wird nicht gestellt. Und der Elefant im Raum fehlt: die Migration. Die offizielle Schweizer Politik lautet: Die AHV wird durch Zuwanderung gerettet. Wenn die einheimische Bevölkerung altert, müssen junge Arbeiter importiert werden. SRF erwähnt mit keinem Wort, dass die AHV von der Personenfreizügigkeit und der Migration abhängt. Die Frage, ob diese Migration netto in die AHV einzahlt oder ob sie durch Infrastruktur- und Integrationskosten mehr belastet als sie bringt, wird nicht gestellt. Die AHV wird in einem demografischen Vakuum diskutiert.

Die 13. Rente, die als Sorge gerahmt wird

SRF schreibt: «Dass die Finanzierung [der 13. Rente] noch nicht geregelt ist, dürfte viele Leute verunsichern, vermuten die Studienautoren.» SRF übernimmt die «Vermutung» als Fakt. Die 13. Rente wurde 2026 eingeführt — ohne Finanzierung. Das ist keine «Verunsicherung». Das ist politische Verantwortungslosigkeit. Ein Parlament beschliesst eine milliardenschwere Ausgabe, ohne die Einnahmen zu sichern. SRF rahmt dies als Kommunikationsproblem, das «Sorgen» auslöst. Die Frage, wer politisch verantwortlich ist für ein Gesetz ohne Finanzierung, wird nicht gestellt.

Die Versprechen, die niemand einfordert

Vor der Abstimmung im März 2024 betonten die Befürworter der 13. Rente, man müsse sich um die Finanzierung keine Sorgen machen. Diese Stimmen stammten fast ausschliesslich aus dem linken Lager — SP, Grüne, Gewerkschaften. Pierre-Yves Maillard, SP und Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, war der Hauptarchitekt und die lauteste Stimme, die der Bevölkerung finanzielle Sorgen nahm. Er betonte immer wieder, dass es der AHV finanziell hervorragend gehe und sie regelmässig Milliardengewinne schreibe. Ein winziger Aufschlag bei den Lohnprozenten oder die Nutzung von Nationalbankgewinnen würden völlig ausreichen. Flavia Wasserfallen und Samuel Bendahan (SP) bezeichneten die Finanzierungsängste der bürgerlichen Parteien als klassische Propaganda der Wirtschaftslobby. Mattea Meyer und Cédric Wermuth (SP-Co-Präsidium) wiederholten, die Schweiz sei eines der reichsten Länder der Welt, die 13. Rente lasse sich problemlos über eine gerechtere Besteuerung finanzieren.

Nachdem die Initiative angenommen wurde, geriet die Argumentation ins Wanken. Das Parlament lehnte die von den Linken geforderten Lohnabzüge ab. Die Initianten bekämpfen eine reine Finanzierung über die Mehrwertsteuer, weil diese Geringverdiener belaste. Bis heute gibt es keine saubere Lösung. Die Debatte gipfelt in einer nationalen Abstimmung über die Teilfinanzierung. SRF erwähnt none of this. Die Politiker, die vor der Abstimmung beteuerten, die Finanzierung sei kein Problem, werden nicht zitiert. Die Kehrtwende nach dem Ja wird nicht thematisiert. Die Frage, ob das Vertrauen der Bevölkerung nicht deshalb sinkt, weil die Politiker gelogen haben, wird nicht gestellt. SRF softet den Skandal der unfundierten 13. Rente zu einem psychologischen Stimmungsbild ab.

Die Pensionskassen, die als gesund gerahmt werden

SRF schreibt: «Die Pensionskassen reagierten mit tieferen durchschnittlichen Umwandlungssätzen auf die längere Rentenbezugsdauer. Das hat ihnen Kritik eingebracht, lässt sie mittlerweile aber finanziell gesund dastehen.» Das ist eine bemerkenswerte Umdeutung. Die Pensionskassen haben den Umwandlungssatz gesenkt. Das heisst: Die Rentner erhalten weniger Rente für dasselbe angesparte Kapital. Das ist kein Zeichen von Gesundheit. Das ist ein Zeichen eines Systems, das seine Versprechen nicht mehr einlösen kann.

SRF schreibt, das gestiegene Vertrauen in die Pensionskassen dürfte mit der «aktuell hohen Verzinsung des Altersersparnissen» zusammenhängen. Ein Jahr hoher Zinsen an den Aktienmärkten reicht SRF, um die Pensionskassen als gesund darzustellen. SRF fragt nicht nach dem Deckungsgrad. SRF fragt nicht nach den Sanierungslöchern. SRF fragt nicht nach den Tausenden von kleinen und mittleren Pensionskassen, die strukturell unter Druck stehen. Ein Jahr Börsenboom wird als Beweis für ein funktionierendes System präsentiert. Die Frage, ob die Pensionskassenrenten langfristig sicher sind oder ob die hohe Verzinsung eine kurzfristige Illusion ist, wird nicht gestellt.

Die Quelle, die als neutral auftritt

SRF zitiert eine Studie des VZ Vermögenszentrums. SRF präsentiert das VZ als neutrale Forschungsstelle. Was SRF nicht erwähnt: Das VZ Vermögenszentrum ist ein kommerzieller Finanzdienstleister. Das VZ verkauft Beratung, Vorsorgeplanung und Anlageprodukte. Das VZ hat ein kommerzielles Interesse daran, dass die Leute der staatlichen AHV misstrauen und sich an private Vorsorge und Pensionskassen wenden — denn dort verdient das VZ sein Geld.

SRF zitiert die «Studienautoren» des VZ, die «vermuten», dass die Leute verunsichert sind. SRF fragt nicht, ob ein kommerzieller Anbieter, der von der Distanzierung der AHV profitiert, die richtige Quelle für eine Studie über das Vertrauen in die AHV ist. Die Frage, ob die Studie eine unabhängige Analyse oder ein Marketinginstrument ist, wird nicht gestellt. SRF gibt kommerzieller PR den Anstrich objektiver Wissenschaft.

Die Befragung, die keinen Massstab hat

SRF berichtet: 1558 Personen wurden befragt. 27 Prozent vertrauen der AHV, 29 Prozent der Pensionskasse. SRF nennt die Zahlen — und fragt nicht, was sie bedeuten. 1558 Personen sind eine kleine Stichprobe. SRF nennt keine Margen. SRF nennt keine Repräsentativität. SRF nennt keine Methodik. Und SRF fragt nicht, ob das Vertrauen in die Pensionskasse deshalb höher ist, weil die Leute nicht wissen, wie tief ihre Pensionskassenrente tatsächlich sinken wird. Das Vertrauen wird als Fakt präsentiert, nicht als subjektive Einschätzung, die objektiv falsch sein kann. Die Frage, ob die Bürger der AHV zu Recht misstrauen und der Pensionskasse zu Unrecht vertrauen, wird nicht gestellt.


So funktioniert dieser Beitrag: Er nutzt eine Studie eines kommerziellen Anbieters, um den Vertrauensverlust in die AHV als psychologisches Problem zu rahmen. Die Demografie als Ursache des AHV-Drucks fehlt. Die Migration als offizielle Rettung der AHV fehlt. Die unfundierte 13. Rente wird als «Sorge» statt als politisches Versagen markiert. Die Politiker, die vor der Abstimmung die Finanzierung als unproblematisch darstellten und nach dem Ja keine Lösung lieferten, werden nicht konfrontiert. Die strukturelle Krise der Pensionskassen wird hinter einem Jahr Börsenboom versteckt. Der Interessenkonflikt der Quelle fehlt. Wer den Beitrag liest, weiss, dass die Leute der AHV misstrauen und den Pensionskassen vertrauen. Wer wissen will, warum die AHV faktisch vor dem Kollaps steht, wer die 13. Rente ohne Finanzierung beschlossen hat, wer vor der Abstimmung log und nach der Abstimmung schwieg, ob die Pensionskassen langfristig gesund sind und ob die Studie des VZ ein Marketinginstrument ist, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Sozialpolitikanalyse, das ist eine Finanzmarkt-PR mit Demografie-Blindheit und ohne politische Erinnerung.

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